Drei Tipps für den Kopf wenn der Körper Pause braucht: Umgang mit Verletzung

Eine Verletzung kommt eigentlich nie zum richtigen Zeitpunkt. Plötzlich kannst du Dinge, die völlig selbstverständlich zu deinem Alltag gehört haben, nicht mehr machen. Dein Training fällt aus oder sieht komplett anders aus, Pläne müssen geändert werden und vielleicht bist du sogar auf die Hilfe anderer angewiesen.

Und ja: Das darf nerven.

Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die mir helfen, nicht komplett in diesem Gefühl hängen zu bleiben, gerade nichts machen zu können. Und auch wenn das vielleicht so scheint, auch ich habe Momenten, in denen mir das nicht leicht fällt und Momenten, in denen mir alles hoffnungslos erscheint.

1. Behalte so viel Normalität wie möglich

Wenn plötzlich vieles anders ist, muss nicht automatisch alles anders werden.

Versuche deshalb, die Dinge beizubehalten, die weiterhin möglich sind. Iss dein Lieblingsfrühstück wie immer. Trink morgens deinen Kaffee am gleichen Ort. Behalte deine Abendroutine bei. Triff dich weiterhin mit Freunden, auch wenn die gemeinsame Aktivität vielleicht angepasst werden muss.

Das klingt banal, macht für mich aber einen grossen Unterschied.

Eine Verletzung nimmt ohnehin schon einen ziemlich grossen Platz im Kopf ein. Wenn wir dann unseren gesamten Alltag um sie herum bauen, wird sie schnell zum alles bestimmenden Thema.

Natürlich gibt es Situationen, in denen eine Verletzung grosse Anpassungen verlangt. Aber schau bewusst hin: Was muss sich tatsächlich verändern und was darf genauso bleiben wie vorher?

Manchmal tut ein ganz gewöhnlicher Morgen erstaunlich gut.

2. Frag dich im Training nicht nur, was nicht geht

Gerade wenn Sport einen grossen Teil deines Lebens ausmacht, ist wahrscheinlich einer der ersten Gedanken: Das kann ich jetzt alles nicht mehr machen.

Kein Laufen. Keine Squats. Kein Gewichtheben. Keine Pull-ups. Was auch immer deine Verletzung gerade einschränkt.

Versuche, die Frage einmal umzudrehen: Was kann ich trotzdem machen?

Vielleicht kannst du plötzlich an Dingen arbeiten, für die sonst nie Zeit bleibt. Oberkörper trainieren, wenn das Bein betroffen ist. Maschinen nutzen, die du sonst ignorierst. Technik üben. Reha-Übungen konsequent machen. Oder dein Training komplett anders gestalten.

Werde kreativ.

Und wenn du selbst nicht weisst, was sinnvoll und sicher möglich ist, hol dir Hilfe. Ein Coach, Physio oder eine andere geeignete Fachperson sieht vielleicht Möglichkeiten, auf die du selbst gar nicht gekommen wärst.

Natürlich geht es nicht darum, um jeden Preis weiterzutrainieren. Manchmal ist Pause genau das, was dein Körper braucht. Aber wenn Bewegung möglich und sinnvoll ist, muss Training nicht automatisch komplett wegfallen. Es darf einfach eine Zeit lang anders aussehen.

3. Mach die Dinge, für die sonst nie Zeit ist

Wenn deine Verletzung es zulässt, kannst du die plötzlich frei gewordene Zeit auch für Dinge nutzen, die im normalen Alltag ständig hinten runterfallen.

Du wolltest schon ewig Meditation ausprobieren? Dann probier es.

Du hast fünf Filme auf deiner Watchlist? Filmabend.

Du wolltest endlich wieder ein Buch lesen? Perfekt.

Oder vielleicht machst du auch einfach einmal absolut nichts und liegst einen Nachmittag am Pool herum.

Wir sind oft ziemlich gut darin, jede freie Minute sofort wieder produktiv nutzen zu wollen. Gerade als sportlicher Mensch kann sich Nichtstun sogar unangenehm anfühlen. Aber vielleicht muss aus der zusätzlichen Zeit gar kein neues Projekt entstehen.

Du darfst sie auch einfach geniessen.

Du musst eine Verletzung nicht toll finden

Ich glaube nicht daran, dass wir aus jeder beschissenen Situation sofort etwas Positives machen müssen.

Eine Verletzung darf frustrierend sein. Du darfst dein Training vermissen. Du darfst genervt davon sein, dass du Hilfe brauchst oder deine Pläne ändern musst. Und du darfst auch weinen, wenn dich das frustriert (ist jedenfalls mein Ventil).

Aber du kannst gleichzeitig versuchen, ihr nicht mehr Raum zu geben, als unbedingt nötig.

Behalte die Dinge bei, die weiterhin funktionieren. Sei kreativ bei denen, die du anpassen musst. Und nutze die Zeit vielleicht für etwas, das sonst immer zu kurz kommt.

Die Verletzung ist gerade ein Teil deines Alltags.

Sie muss aber nicht dein ganzer Alltag werden.

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Die 80/20 Regel