Disziplin oder Routine?

Disziplin oder Routine?

«Du bist so diszipliniert. Ich könnte das nicht.»

Das höre ich immer wieder, wenn es um mein Training geht. Und ja, ich investiere viel Zeit und Energie in meinen Sport. Ich trainiere auch dann, wenn es gerade nicht bequem ist. Trotzdem fühlt sich das für mich meistens gar nicht nach besonders viel Disziplin an.

Training gehört einfach zu meinem Alltag. Ich überlege nicht jede Woche neu, ob ich Sport machen möchte. Ich plane meine Einheiten ein, packe meine Sachen und gehe hin. Vieles davon ist längst Gewohnheit geworden. Es gehört schon so sehr zu meinem Alltag, dass ich nicht mehr gross darüber nachdenke.

Vielleicht sieht das von aussen nach mehr Überwindung aus, als es mich tatsächlich kostet.

Was Routine uns abnimmt

Wenn etwas im Alltag Platz hat, muss man nicht jedes Mal darüber nachdenken und verhandeln. Es gehört einfach dazu.

Das bedeutet nicht, dass ich immer motiviert bin. Auch ich habe Tage, an denen mir das Programming nicht gefällt, sich das Aufwärmen mühsam anfühlt oder ich gedanklich ganz woanders bin. Aber ich muss an diesen Tagen nicht bei null anfangen. Meine Routine trägt mich zumindest bis in die Box. Und das ist schon die halbe Miete.

Diese Gewohnheit ist über längere Zeit entstanden. Durch viele einzelne Entscheidungen und durch die Erfahrung, was mir das Training gibt: Freude, einen freien Kopf, Herausforderungen und die Freude am Fortschritt.

Dranbleiben kann unterschiedlich aussehen

Ich verbinde Disziplin schnell mit Durchziehen. Eine Einheit absolvieren, obwohl sie anstrengend ist. Den letzten Satz machen. An einem Ziel festhalten. Alleine trainieren, wenn alle schon zu Hause sind.

In einer Verletzungsphase kann Dranbleiben aber bedeuten, eine Belastungsgrenze zu akzeptieren. Eine Übung anzupassen oder eine Pause einzuhalten, obwohl ich viel lieber trainieren würde. Das fällt mir teilweise schwerer als eine harte Session.

Trotzdem möchte ich meine Entscheidungen daran ausrichten, was mich langfristig weiterbringt. Dafür muss ich manchmal genauer hinschauen, statt einfach meinem gewohnten Ablauf zu folgen.

Routine fürs Leben, kein Leben für die Routine

Gewohnheiten helfen mir, solange sie zu meinem Leben passen. Wenn sich meine Möglichkeiten verändern, darf ich auch den Ablauf verändern.

Vielleicht ist eine Einheit kürzer als geplant. Vielleicht bekommt ein anderer Bereich mehr Aufmerksamkeit. Vielleicht brauche ich vorübergehend einen ganz neuen Wochenrhythmus.

Ich möchte lernen, solche Anpassungen nicht sofort als Rückschritt zu bewerten. Eine Routine soll mich unterstützen. Wenn ich ständig das Gefühl habe, ihr nicht gerecht zu werden, lohnt es sich zu prüfen, ob sie gerade überhaupt noch passt.

Manchmal brauche ich den festen Termin. Manchmal auch eine Pilatesstunde mit einer Freundin oder einen ruhigen Abend allein zu Hause. Solange die Routine in mein Leben passt, brauche ich keine Disziplin, um mein Training durchzuziehen.

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